Die Teuerungsraten steigen in für viele Konsumenten ungeahnte Höhen. Das hängt auch mit dem Klimawandel zusammen, denn die Produktionskosten ziehen aufgrund von Investitionen in die Energiewende und die zunehmende CO2-Bepreisung an. Experten rechnen gar mit einer deutlichen Erhöhung und damit auch steigendem Inflationsdruck. Dennoch ist Klimaschutz weder das größte Problem für die Wirtschaft noch die Hauptursache für Inflation.

 Die Inflationsrate in Deutschland hat mit inzwischen über 5 % ein Niveau erreicht, das für eine ganze Generation ungewohnt ist – liegt sie doch so hoch wie seit etwa 30 Jahren nicht mehr. Dafür gibt es mehrere Gründe. Neben steigenden Rohstoffpreisen, dem in unseren früheren Publikationen bereits beschriebenen Schweinezykluseffekt und der damit zusammenhängenden Lieferkettenproblematik kommt noch ein weiterer Faktor zum Tragen: der Klimaschutz. So sind sich beispielsweise Hans-Werner Sinn, früherer Präsident des ifo Instituts, und der renommierte britische Ökonom Charles Goodhart einig, dass die Energiewende ein zusätzlicher Treiber ist. Denn sie zwingt die Wirtschaft, auf andere, derzeit noch teure Energiequellen auszuweichen, was die Produktionskosten massiv erhöht.

Wie stark die Belastung ausfällt, zeigt der Blick auf die CO2-Steuer. Im Rahmen des nationalen Emissionsrechte-Handelssystems hat die Bundesregierung sie von 25 Euro auf 30 Euro je Tonne angehoben. Eine weitere Anhebung auf 55 Euro soll sukzessive bis 2025 erfolgen. Auch auf europäischer Ebene wird der CO2-Ausstoß höher bepreist. An der Leipziger Strombörse hat sich der Preis für CO2-Zertifikate binnen eines Jahres nahezu verdreifacht. Der Grund: Steigende Gaspreise zwingen Stromerzeuger, auf schmutzigere Kohleverstromung auszuweichen. Mit Folgen für den Ausstoß an Treibhausgasen und somit auch für die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten.

CO2-Bepreisung erhöht die Inflation

Doch was bedeutet das für den Verbraucher und die Wirtschaft? Die Investmentbank Morgan Stanley hat nachgerechnet: Sollten die CO2-Zertifikate dauerhaft die Marke von 100 Euro je Tonne erreichen, würde das die Strompreise in Deutschland um bis zu 12 % erhöhen. Das wiederum hätte einen Anstieg der Inflation um 35 Basispunkte zur Folge. Und die Spirale dürfte sich noch weiter drehen. Erstens weil die geopolitische Lage zwischen den Großmächten durchaus zu weiteren Verwerfungen führen kann. Und zweitens wird die politisch gewollte Verteuerung von Treibhausgasen nicht mehr rückgängig zu machen sein.

Klimapolitik als Chance

Es ist evident, dass die Klimapolitik viel Geld kostet und offensichtlich die Inflation nach oben treibt. Dennoch: Die Klimapolitik ist nicht das eigentliche Problem, sondern vielmehr der menschengemachte Klimawandel selbst. Er kann beispielsweise globale Handelskonflikte auslösen bzw. deutlich verschärfen. Die Diskussion über die „grüne Inflation“ kann daher zu falschen Schlussfolgerungen führen. Klimaschutz und CO2-Bepreisung haben einen Impact auf die Inflation, aber sie sind nicht die Hauptursache.

Im Gegenteil. Klimaschutz eröffnet neue Möglichkeiten. Die Bepreisung von Treibhausgasen spornt Unternehmen an, verstärkt in Innovation zu investieren. Der Wirtschaft bieten sich damit neue Chancen der Transformation, die insbesondere langfristig zu deutlich geringeren Energiekosten und somit zu effizienteren Produktionsketten führen wird.

Marcel Fratzscher, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), beispielsweise sieht in der „grünen Inflation“ kein Problem. Vielmehr müsse der Preis für klimaschädliches Verhalten steigen, um Anreize für Innovationen zu setzen.

Wie hoch die „grüne Inflation“ ausfällt, ob 0,3 % oder 0,5 %, ist nicht entscheidend. Fakt ist, dass sie langfristig nur einen Bruchteil der Gesamtinflation ausmacht. Die Zentralbanken sind gefragt, mit einer sinnvollen Zinspolitik dafür Sorge zu tragen, dass das Risiko einer Preis-Lohn-Spirale minimiert wird und es nicht zu Zweit- und Drittrundeneffekten kommt. Ebenso steht die Politik in der Verantwortung, vernünftige und stabile Rahmenbedingungen zu schaffen.

Sobald sich die Inflation wieder auf einem „normalen“ Niveau von 1,5 % stabilisiert hat, wird trotz des Preisaufschlags infolge der Klimapolitik das eigentliche Ziel der EZB (Inflation um die 2 % p. a.) nicht verfehlt.

Chance für Anleger

Was bedeutet das für Anleger? Zum einen bieten sich beispielsweise Dividendenfonds an, wenn wir grundsätzlich über Inflation sprechen. Wir haben dazu mehrere Produkte auf unserer Empfehlungsliste. Beispielsweise den DWS Top Dividende (WKN: 984811, zum Fonds im Fokus) und den JPMorgan Global Dividend Fund (WKN: A0M6Z3,  zum Fonds im Fokus).

Zum anderen können Anleger auch von der steigenden Bedeutung von nachhaltigen Investments profitieren. Auch hier haben wir auf der Empfehlungsliste einige Fonds, die wir Ihnen ans Herz legen. Dazu gehört beispielsweise der AB Sustainable Global Thematic Portfolio (WKN: 986633, zum Fonds im Fokus). Und auch das Haus Nordea hat mit Nordea 1 Global Climate and Environment ( WKN; A14YP2, zum Fonds im Fokus) ein hier vorzeigbares Produkt. Hier reiht sich auch der Asset Manager Degroof Petercam mit DPAM B Equities NewGems Sust. A (WKN: A0ML2N) ein.

Haben Sie Fragen hierzu?

Gerne stehen wir Ihnen im Research zur Verfügung!

Über den Autor

Sasa Perovic

Sasa Perovic ist Ansprechpartner für das Investment Research sowie für unsere Produktpartner.
Er steht Vermittlern bei Fragen zu Kapitalmärkten, Investmentfonds, Portfoliostrukturierungen uvm. zur Verfügung und ist für einen Großteil der Publikationen im Research Bereich zuständig. Hier kommt ihm seine mehrjährige Erfahrung zu Gute, die er auch seit einigen Jahren für die Erstellung eigener Publikationen in diesem Sektor nutzen konnte.

Bei Rückfragen können Sie sich jederzeit gerne an mich wenden
E-Mail: Sasa.Perovic@bfv-ag.de
Tel.: 06171 9150 – 523

X