Die BfV-News-Redaktion im Gespräch mit den Vorständen Marc Sattler (Bank für Vermögen), Andreas Enke und Marc-Uwe Falkenhain (Geneon)

Herr Sattler, Herr Falkenhain, der Hamburger Vermögensverwalter Geneon legt mit der Bank für Vermögen die Vermögensverwaltungsstrategie „Nachhaltige Werte“ auf. Wie kam es zu dieser Kooperation?

Falkenhain: Als Vermögensverwalter mit eigener Lizenz spüren wir, dass die administrativen Aufwände und Anforderungen stetig zunehmen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Kunden an die Betreuung, die Kommunikation und den Internetauftritt – die viel zitierte neue Normalität ist in weiten Teilen eine digitale. Wir sehen in der Bank für Vermögen einen Partner, der gerade im technischen und digitalen Bereich viel zu bieten hat; das war für uns mitentscheidend.

Herr Sattler?

Sattler: Nachhaltigkeit ist schon lange mehr als nur ein Trend, auch in der Kapitalanlage. Seit Corona wissen viele Anleger, dass sich Nachhaltigkeit nicht nur in der B-Note auswirkt, also dem Gewissen guttut, sondern auch Alpha generiert. Viele Titel, die die ESG-Kriterien erfüllen, sind sehr gut durch die Krise gekommen; sie sind weniger im Wert gesunken und haben sich schneller erholt als konventionelle Investments. Geneon ist, wenn man so sagen darf, ein Pionier für nachhaltiges Investieren in Deutschland. Deshalb freut mich diese Kooperation ganz besonders.

NACHHALTIGKEIT IST KEIN GESCHÜTZTER BEGRIFF

Bleiben wir bei beim Thema Nachhaltigkeit, das ist längst in der Breite der Finanzdienstleistungsbranche angekommen. Was macht Geneon anders als andere Anbieter?

Enke: Tja, wo soll ich anfangen? Vielleicht zunächst mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“. Da erleben wir im Moment eine ähnliche Situation wie bei den Biosiegeln für Lebensmittel – frei nach dem Motto: Was draufsteht, muss nicht unbedingt drin sein. Nachhaltigkeit ist kein geschützter Begriff und es gibt auch keine offizielle Definition für Nachhaltigkeit. Das öffnet einen Spielraum für Interpretationen auf der einen und für Erwartungen auf der anderen Seite.

Grundsätzlich muss man bei nachhaltigen Investments immer zwei Aspekte unterscheiden, ich nenne sie Ausschluss und Unterstützung. Der eine Teil der Kapitalanlagen ist nachhaltig, weil er Investitionen in Unternehmen ausschließt, die gegen Nachhaltigkeitsprinzipien verstoßen, weil sie zum Beispiel Geld mit Kohle oder Kernenergie verdienen; im weitesten Sinne sprechen wir hier über die sogenannten ESG-Risiken.

Der andere Teil ist nachhaltig, weil er gezielt in Unternehmen investiert, die aktiv etwas gegen Armut und Hunger tun, die sich für die Gesundheitsversorgung einsetzen, kurz, die sich den Sustainable Development Goals verpflichtet haben. Das Thema nachhaltige Geldanlagen ist übrigens umfassend beschrieben in der „Handreichung für Verbraucher*innen zur Beurteilung der Nachhaltigkeit von Geldanlagen“.

Eine Informationsbroschüre, die Sie letztes Jahr im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erstellt haben.

Enke: Genau.

Sattler: Gerade die eben erwähnten Ausschlusskriterien sind mit Vorsicht zu genießen, Stichwort „Umsatzgrenzen“.

Enke: Exakt! Ausschlusskriterien werden oft über Umsatzgrenzen definiert. Das heißt, sie legen fest, dass zum Beispiel 60 Prozent des Umsatzes eines Unternehmens, in das Ihr Fonds investiert, Nachhaltigkeitskriterien erfüllen müssen – das klingt zunächst gut, bedeutet aber umgekehrt, dass 40 Prozent des Umsatzes auch aus Geschäftsfeldern kommen können, die nicht nachhaltig sind. Das ist aber den wenigsten Kunden klar.

Und hier setzen wir an. Was Geneon unterscheidet, ist, dass wir konkret prüfen, in welche Titel wir investieren. Auch im Nachkommastellenbereich und erst recht hinter den Umsatzgrenzen. Nur wer konkret prüft, wie Definitionen genau aussehen und was im Kleingedruckten steht, kann sich wirklich sicher ein, nach ethischen und nachhaltigen Kriterien zu investieren. Diesen Job machen wir für unsere Kunden.

Haben Sie ein konkretes Beispiel?

Enke: Aufpassen sollte man bei ETFs. Es gibt am Markt Angebote, die Nestlé als größten Wert im Portfolio haben, und solche, die das Ausschlusskriterium für „Rüstung“ auf eine Umsatzgrenze von 50 Prozent setzen. Das deckt sich nicht mit dem, was wir bei Geneon unter Nachhaltigkeit verstehen.

Deshalb muss man gerade bei ETFs genau prüfen, welches Portfolio der Fonds wirklich abdeckt. Für die Strategiedepots „Nachhaltige Werte“ haben wir daher als Ausschlusskriterium alle Unternehmen definiert, deren Geschäftsfelder in den Bereichen Rüstung, Kohle oder Kernenergie liegen. Außerdem werden grundsätzlich Unternehmen ausgeschlossen, die gegen die „UN Global Compact“-Richtlinien verstoßen. So stellen wir sicher, dass drin ist, was draufsteht: nachhaltiges Investment.

DIGITAL BERATEN UND ABSCHLIESSEN ZU KÖNNEN,
BEDEUTET EIN PLUS AN SICHERHEIT

Sprechen wir über die aktuelle Beratungssituation: Was hat sich mit Corona verändert?

Sattler: Bisher war die Digitalisierung der Branche vor allem durch die Kundenerwartungen und die Regulierung getrieben. Aber viele Unternehmen arbeiten immer noch mit Bergen an Papier, mit Durch- und Unterschriften – das ist umständlich und kommt nicht bei jedem Kunden gut an. Gleichzeitig sind in Software automatisch Normen und Regeln einprogrammiert. Das heißt, wenn Sie sich innerhalb von Abschlussstrecken und Apps bewegen, können Sie keine Fehler machen, Sie sind immer rechtskonform unterwegs. Der digitale Abschluss hat aus dieser Perspektive nur Vorteile. Er ist kundenfreundlich und automatisch rechtssicher – gewissermaßen compliant by design.

Durch die coronabedingten Abstandsgebote und Kontaktbeschränkungen wird aus dem bisherigen Nice-to-have der digitalen Beratung ein Must-have. Digital beraten und abschließen zu können, bedeutet ein Plus an Sicherheit. Das ist Kunden und Beratern heute wichtiger denn je.

Aber ist digital auch wirklich digital? Oft ist es doch wie mit dem Biosiegel und der Nachhaltigkeit: Was draufsteht, muss nicht unbedingt drin sein.

Sattler: Das stimmt, viele Anbieter haben immer noch Medienbrüche in ihren Abläufen. Sie können dann zwar alle Angaben online machen, müssen den Antrag aber trotzdem ausdrucken, unterschreiben und abschicken.

Bei der Bank für Vermögen ist das anders?

Sattler: Ja, bei uns ist der gesamte Prozess End-to-End digital – inklusive der Depoteröffnung und dem Investmentkauf mit Unterschrift per IP-Adresse. Oder nehmen Sie unser Online-Depot-Reporting. Hier gibt es die Möglichkeit, individuelle Reportingvorgaben für einzelne Kundengruppen zu machen. Zum Beispiel können spezifische Benchmarks erzeugt werden, außerdem kann die Informationstiefe zwischen Basis- oder Expertenmodus variiert werden – so bekommt jeder Kunde von seinem Berater das für ihn passende Depotreporting.

Entweder per Online-Zugang, damit er sich jederzeit einen Überblick verschaffen kann, oder per Mail. Aber in jedem Fall digital End-to-End. Der Kunde sieht online immer die aktuelle Wertentwicklung seiner Depots und den Stand seiner fondsgebundenen Lebens- oder Rentenversicherung, aber auch alle weiteren Vermögenswerte, die er in Eigenregie oder gemeinsam mit seinem Berater angelegt hat.

Falkenhain: Gerade der Bereich digitale Unterstützung und Backoffice kann für Finanzberater und Vermögensverwalter ein erfolgskritischer Faktor sein. Viele Unternehmen bestehen aus einem kleinen Team von Experten: Anlagemanager, Finanzberater, Teamassistenz, vielleicht noch ein Jurist oder Compliance-Beauftragter.

Aber sie beschäftigen in der Regel keine Programmierer, Webentwickler oder Contentmanager. Die werden aber für eine moderne Unternehmenspositionierung dringend gebraucht. Hier müssen Partner einspringen, die mit der entsprechenden IT-Software unterstützen. Das Know-how können Sie nicht nebenher aufbauen, zumindest nicht in ausreichender Qualität.

Sattler: Die Bank für Vermögen versteht sich als Dienstleister für genau diese Zielgruppe: eine Unternehmensgröße bis zu zehn Personen, ein verwaltetes Vermögen von 50 bis 500 Millionen Euro. Das sind Unternehmen, die sich bisher zu 100 Prozent auf die Kapitalanlage und auf ihre Kunden konzentrieren. Hier kann das Outsourcing der Abwicklung und die Professionalisierung durch digitale Abläufe zu einem immensen Beschleunigungs- und Wachstumseffekt führen.

Was ist mit Maklern, die sich auf Investment spezialisiert haben? Sind die bei Ihnen auch willkommen?

Sattler: Die BCA-Gruppe, zu der der Vermittler-Pool, die Bank für Vermögen, aber auch die Software-Schmiede asuro gehören, kann für Vermittler, Makler oder Berater interessant sein, unabhängig von dem jeweiligen Geschäftsmodell und der Umsatzgröße. Wo die tatsächliche Anbindung stattfindet, ist gar nicht so entscheidend, denn die Technik und das Know-how kommen konzernweit zum Tragen. Es gibt bei uns kein Silodenken nach Bank und Pool, im Gegenteil: Die Gruppe lebt vom Austausch, auch vom Austausch mit unseren Geschäftspartnern. Wir verstehen uns als Plattform, die miteinander Best Practices teilt und voneinander lernt. Aus diesem Grund haben wir Formate wie die Advisor Days oder das Heimspiel, unsere Hausmesse.

Herr Enke, Herr Falkenhain, Herr Sattler, wir bedanken uns für das Gespräch.

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