In der aktuellen Krise haben viele Dividendentitel gelitten. Ausschüttungen sind auf globaler Sicht zurückgegangen. Dennoch bleiben Dividendentitel ein attraktives Investment. Denn viele Unternehmen haben ihre Dividenden stabil halten können. Im Folgenden gehen wir etwas näher auf die Entwicklung der Dividenden im Jahr 2020 ein, zeigen wo es regional Unterschiede gibt und welche Branchen zu den Gewinnern bzw. Verlierern gehören. Ebenso stellen wir Ihnen einige Dividendenfonds vor, die sich auf unserer TopFonds Liste befinden. Denn: Auch wenn – oder gerade weil – dieses Jahr schwierig war, könnten Dividenden im kommenden Jahr durchaus für positive Überraschungen sorgen.
Dass sich die Corona-Pandemie auf die Unternehmensgewinne auswirkt, ist mittlerweile jedem Anleger klar. Das bleibt nicht ohne Auswirkung auf ihre Depots: Erstens haben die Aktienkurse im Frühjahr sehr stark nachgegeben. Wie stark, dass zeigen die Zahlen an den Börsen. Beim DAX beispielsweise lagen die Verluste zwischenzeitlich bei -37 % und auch der US-amerikanische Index S&P zeigte mit -31 % enorme Verluste. Zweitens führen sinkende Unternehmensgewinne häufig zur Reduzierung von Dividendenzahlungen.
Mittlerweile wurden die Verluste zwar wieder wett gemacht. Das liegt unter anderem daran, dass an den Börsen Erwartungen die Kursentwicklung bestimmen. Aber bei vielen Unternehmen sind die aktuellen Gewinnentwicklungen tendenziell rückläufig, was nicht ohne Auswirkung auf die Dividendenzahlungen bleibt.

Globaler Dividendenrückgang aufgrund der Corona Pandemie
Die Dividendenrendite gilt als eine der wichtigsten Orientierungsgrößen für Investitionen in Aktien. Papiere mit einer hohen Dividendenausschüttung sind nicht ohne Grund bei Anlegern sehr beliebt. Doch wegen der Corona Krise konnten viele Titel ihrer Beliebtheit nicht gerecht werden. Auch hier hilft ein Blick auf die Zahlen: Laut einer Studie von Janus Henderson verringerten sich die Dividenden weltweit im dritten Quartal 2020 infolge der Pandemie um 55 Mrd. US-Dollar auf insgesamt 330 Mrd. US-Dollar, was dem niedrigsten Stand seit 2016 und einem Minus von 14,3 % auf Quartalsbasis entspricht. Jedes dritte Unternehmen hatte seine Dividenden im dritten Quartal gekürzt oder gestrichen. Es gibt aber auch gute Nachrichten: Im zweiten Quartal lag der Rückgang noch bei 18,3 %. Ein Rückgang beim Rückgang sozusagen.

Quelle: Janus Henderson

Die Graphik zeigt den Rückgang der weltweiten Dividendenzahlungen in 2020 im Vergleich zu den Jahren 2009 – 2019. Ersichtlich ist, dass selbst im Worst Case Szenario die Höhe der Dividendenzahlungen immer noch auf einem historisch vergleichbar hohen Niveau liegt.

Geografische Unterschiede
Dass das dritte Quartal besser ausfiel liegt insbesondere an den geographischen Unterschieden. In Europa fielen die Dividenden auf bereinigter Basis um 25% und damit immerhin weniger drastisch als im zweiten Quartal des Jahres, als das Minus 36,9 Prozent betrug. In Deutschland holten einige Firmen Ausschüttungen sogar nach, ebenso in Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden. Die meisten zahlten allerdings dennoch deutlich weniger als ursprünglich beabsichtigt. Dass sich Europa als besonders anfällig erwiesen hat, liegt nicht zuletzt daran, dass die Ausschüttungsquoten hierzulande vor der Corona Krise bereits sehr hoch waren.

Tabelle: Dividendenentwicklung in einzelnen Regionen

Quelle: Janus Henderson

In Asien sanken die Ausschüttungen auf bereinigter Basis um 20,1% in Vergleich mit Q3 in 2019. In UK gar um 47 Prozent.
Anders in Hongkong: Die Dividenden stiegen auf bereinigter Basis um 9,9%– so extrem wie in keinem anderen Industriestaat. Die meisten Unternehmen erhöhten ihre Ausschüttungen.
Moderat abgeschnitten haben Unternehmen aus den USA. Auch wenn die Gesamtsumme zurückging: Die meisten amerikanischen Unternehmen hielten oder erhöhten ihre Ausschüttungen im dritten Quartal.

Technologie und Medtech Gewinner, Fluggesellschaften Verlierer 
Wer hat am meisten verloren? Erwartungsgemäß gehören beispielsweise Fluggesellschaften dazu. Aufgrund von Reisebeschränkungen haben sie besonders viele Federn lassen müssen. Aber auch Finanzinstitute stehen in puncto Dividenden nicht besonders gut da. Dazu dürften auch die teilweise immer lauter werdenden Stimmen nach Dividendenstopps insbesondere bei Finanzinstituten beigetragen haben. So sind in Europa beispielsweise die Deutsche Bank und die Commerzbank dieser Forderung der EZB nachgekommen. Und Unternehmen wie MTU, Hugo Boss, Deutz oder Puma haben ihre Dividenden gestrichen und ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Neben dem Technologie-Sektor ist insbesondere eine Branche stark ist: Der Gesundheits-Sektor. Unternehmen aus dieser Branche haben sich beispielsweise im S&P500 in puncto Dividendenausschüttungen deutlich hervorgetan. Von diesem Trend die Aktien von AbbVie, Johnson & Johnson, Cardinal Health und Abbott Laboratories. In diesem Zusammenhang überzeugte vor allem die Aktie von AbbVie, die im Jahresverlauf fast 50 Prozent zulegen konnte.

Nichtzyklische Dividenden-Klassiker überzeugen auch in Krisenzeiten
Nichtzyklische Dividenden-Aktien haben in der Corona-Krise ebenfalls überzeugen können. Dazu gehören beispielsweise Unternehmen wie Coca-Cola, AT&T, Consolidated Edison, PepsiCo, Kimberly-Clark, McDonald’s, Procter & Gamble, Colgate-Palmolive, Clorox, Hormel Foods oder Walmart. Ihre Aktienkurse sind zwar nicht komplett schadensfrei aus der Krise gegangen, bei der Dividende zeigten sich diese Unternehmen jedoch sehr robust.

Was bedeutet das für Anleger?
Sind Dividendeninvestments aktuell ein interessantes Thema? Die obigen Zahlen zeigen, dass sich diese Frage nicht pauschal beantworten lässt. Denn ein großer Unsicherheitsfaktor dürften die Aufsichtsbehörden sein. Viel hängt davon ab, wie sie sich in puncto Ausschüttungen der Banken positionieren werden. Und auch der weitere Verlauf der Pandemie ist entscheidend für die zukünftige Entwicklung der Dividenden. Je umfassender der Lock Down ausfällt und je länger er anhält, desto größer wird der Druck auf die Unternehmensbilanzen und damit auf etwaige Ausschüttungen.
So rechnen die Analysten von Janus Henderson damit, dass es im ersten Quartal 2021 zu weiteren Dividendenkürzungen kommen kann.

Was hingegen für ein Dividendeninvestment spricht, sind mehrere Fakten.
Erstens: In der Vergangenheit sind 40% der weltweiten Dividenden von Unternehmen in defensiven Sektoren ausgeschüttet worden.
Zweitens: kamen, wie oben beschrieben, große Wachstumssektoren wie Technologie sehr gut durch die Krise. Beides sollte sich 2021 fortsetzen. Im besten Fall, so Janus Henderson, steigen die Dividenden ab dem zweiten Quartal wieder um 12%.
Drittens: Schaut man sich die Gewinnentwicklung der DAX-Konzerne an, so stellt man fest, dass diese aktuell – trotz Corona Krise – auf hohem Niveau sind. So liegen auch die für 2020 erwarteten Dividendenzahlungen auf dem Niveau von 2017 und damit deutlich über dem Level der Krisenjahre 2007/2008. Das zeigt folgende Graphik. Und: Trotz starker Schwankungen bei den Gewinnen fallen die Schwankungen bei den Dividendenzahlungen tendenziell niedriger aus.

Graphik: Gewinnentwicklung der DAX-Konzerne und Dividenden

Quelle: Deutsche Bank, DJE Kapital AG, Bloomberg, Statista

Viertens: Wir haben weiter oben ausgeführt, dass Dividendenzahlungen weltweit abgenommen haben. Überprüft man jedoch, wie viele Unternehmen in Q3 ihre Dividenden wieder erhöht haben zeigt sich ein interessantes Bild: weltweit erhöhten mehr als zwei Drittel der Unternehmen ihre Dividenden bzw. hielten sie stabil, während lediglich ein Drittel Ausschüttungen kürzte oder ganz strich.

Folgende Grafik zeigt, dass im S&P 500 Unternehmen mit Dividendenerhöhungen seit Juni 2020 wieder deutlich in der Mehrheit sind. Dividendenkürzungen waren im zweiten Halbjahr eher die Ausnahme.

Quelle: Standard and Poor’s, Goldman Sachs Investment Research

Dividendenfonds das Mittel erster Wahl

Und wie haben nun Dividendenfonds abgeschnitten? Lassen Sie uns dazu einen Blick auf die Wertentwicklung der Morningstar-Kategorien „Aktien Global Blend“ und „Aktien Global Dividenden“ werfen.

Die Graphiken zeigen, dass Dividendenfonds tatsächlich in den vergangenen Monaten gelitten haben, was angesichts der Marktlage aber nicht verwunderlich ist. Während sich die Fonds der klassischen Kategorie im Durchschnitt von der Corona Krise (mehr als) erholt haben, ist dies bei Dividendenfonds (noch) nicht der Fall.

Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere: Gerade jetzt bietet sich Anlegern durchaus eine gute Gelegenheit, von der erwarteten Erholung der Dividendentitel im kommenden Jahr zu profitieren.
Wie weiter oben ausgeführt deutet vieles darauf hin, dass Dividendeninvestments mittel- bis langfristig nach wie vor attraktiv sind bzw. wieder attraktiv werden. Auch sollte beachtet werden, dass viele Investoren Dividendentitel deswegen vorziehen, weil Kuponzahlungen bei den meisten Anleihen in der aktuellen Niedrigzinsphase so gut wie nicht gegeben sind. An den niedrigen (bzw. nicht gegebenen) Zinsen wird sich auf absehbare Zeit wohl kaum etwas ändern. Das erhöht die Nachfrage nach diesen Titeln.

S&P 500-Dividenden-Aristokraten-Index
Bei der Auswahl der Titel gilt eine goldene Regel mehr denn je: Entscheidend für Anleger ist der Fokus auf Qualitätsaktien.

Dazu blicken wir wieder in die USA. Neben dem klassischen S&P 500 gibt es den – bei deutschen Investoren größtenteils unbekannten – sogenannten S&P 500-Dividenden-Aristokraten-Index. Er enthält lediglich 65 Unternehmen, die ihre Ausschüttungen mindestens 25 Jahre in Folge erhöht haben. Dabei liegt der Fokus auf der Kontinuität der Dividendenauszahlung und nicht auf der Höhe der jeweiligen Ausschüttung.

Zwar hat die Corona-Pandemie auch die Kurse einiger Dividenden-Aristokraten in Mitleidenschaft gezogen, dennoch musste bis jetzt noch kein Mitglied der erlesenen Gruppe die Ausschüttung aussetzen oder senken.

Ob Unternehmen aus diesem Index oder andere Werte – Dividendenfonds setzen eben auf solche Qualitätsaktien. Zwar haben auch diese Fonds in der jüngsten Vergangenheit, wie oben dargestellt, Kursverluste hinnehmen müssen. Nichtsdestotrotz zeigen die Zahlen und Analysen zweierlei. Erstens stehen die Chancen gut, dass sich Dividendenzahlungen weltweit wieder normalisieren. Und zweitens spielt die aktive Selektion von Unternehmen und Branchen die alles entscheidende Rolle.

Wir haben folgende Dividendenfonds auf unserer Empfehlungsliste

Passend zu unserem Research-Thema „Dividenden“ möchten wir Ihnen drei Dividendenfonds präsentieren. Zu jedem dieser Fonds haben wir Ihnen auch unsere Ausarbeitung Fonds im Fokus im „neuen Gewand“ verlinkt.

DJE Zins und Dividende, WKN: A1C7Y8
Global anlegender Mischfonds mit einer aktiv gesteuerten Aktienquote von bis zu 51%. Grundsätzlich ist der Fonds defensiver aufgestellt, was sich auch in den Volatilitäten widerspiegelt. Der Fokus des Fonds liegt in der Erzielung von laufenden Erträgen (Zinsen und Dividenden), wobei sich das Management um Jan Erhardt auf stabile Unternehmen fokussiert, deren Dividendenzahlungen auch in Zukunft von hoher Kontinuität sein werden. Die Zielausschüttung des Fonds liegt bei 1,5%.

Die aktuelle Vermögensaufteilung sieht wie folgt aus:

DWS Top Dividende, WKN: 984811
Der Klassiker: Global anlegender Aktienfonds aus dem Hause DWS. Mit seinem Stockpicking Ansatz fokussiert sich das Fondsmanagement auf solche Unternehmen, die sich durch eine hohe Werthaltigkeit auszeichnen und eine überdurchschnittliche, aber stabile Dividendenzahlung erwarten lassen. Aktuell hat der Fonds ein Übergewicht in den USA mit 37% und somit eine hohe USD-Quote (41,2%). Die letzte Ausschüttung betrug 3,65 (20.11.2020) pro Fondsanteil.

Die Branchenallokation sieht wie folgt aus:

Grafik: Branchenallokation des DWS Top Dividende

Fidelity Funds – Gl. Dividend Fund A Income (EUR), WKN: A1JSY0
Weltweit anlegender Aktienfonds mit vierteljährlicher Ausschüttung. Letzte Ausschüttung: 0,13 EUR am 02.11.2020 pro Fondsanteil.
Fondsmanager Daniel Roberts, Spezialist für Dividendenstrategien, legt bei der Titelselektion großen Wert auf solche Unternehmen, die unabhängig von der Sektorzugehörigkeit weniger sensibel auf Veränderungen der Wirtschaftsdynamik reagieren.

Aktuelle Branchenallokation:

Grafik: Branchenallokation des Gl. Dividend Fund A Income

Fazit: Aufgrund der Corona Krise sind die weltweiten Dividendenzahlungen zurückgegangen und Dividendenaktien haben Großteils an Wert eingebüßt. Dennoch sind Dividendeninvestments für 2021 durchaus eine interessante Option. Denn die genaue Analyse zeigt, dass Ausschüttungen nicht pauschal gekürzt wurden. Ebenso gehen die meisten Researchhäuser davon aus, dass sich die aktuelle Situation in näherer Zukunft umkehren wird. Hinzu kommt, dass gerade die hier vorgestellten Investmentfonds mit Fokus auf diesem Thema sehr großen Wert auf nachhaltige und stabile Unternehmen Wert legen, die auch für die Zukunft eine überdurchschnittliche Dividendenrendite erwarten lassen.

Haben Sie Fragen, Anregungen oder Wünsche zu diesem Thema? Gerne stehe ich Ihnen unter 06171/9150523 zur Verfügung!

Ihr Sasa Perovic

Über den Autor

Sasa Perovic

Sasa Perovic ist Ansprechpartner für das Investment Research sowie für unsere Produktpartner.
Er steht Vermittlern bei Fragen zu Kapitalmärkten, Investmentfonds, Portfoliostrukturierungen uvm. zur Verfügung und ist für einen Großteil der Publikationen im Research Bereich zuständig. Hier kommt ihm seine mehrjährige Erfahrung zu Gute, die er auch seit einigen Jahren für die Erstellung eigener Publikationen in diesem Sektor nutzen konnte.

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