Die Inflation steigt in ungeahnte Höhen und schreitet immer weiter voran. Die Marke von erschreckenden 10 % rückt in greifbare Nähe. Was sind die Gründe dafür und verharrt sie auf diesem Niveau? Wie können sich Anleger vor der Geldentwertung schützen? Es ist Zeit, mit einigen Mythen rund um das Thema Inflation aufzuräumen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Inflationsrate in Deutschland im Mai bei 7,9 % und im Juni bei 7,6 %. Damit erreicht der Wert Höhen, die wir seit über einer Generation in Deutschland nicht kennen. Übrigens, dass es einen leichten Rückgang gibt, ist kein Zeichen für eine Entwarnung. Vielmehr handelt es sich um saisonale Effekte und auch das 9-Euro-Ticket liefert hier seinen Beitrag.

Inflationsraten Deutschland (YoY), Quelle: Statistisches Bundesamt

Auf EU-Ebene sieht es nicht anders aus. Der HVPI (Harmonisierter Verbraucherpreisindex) liegt hier sogar über 8 %. Auch in den USA werden mit 8,6 % Rekorde gebrochen.

Was sind die Gründe für die immensen Preissteigerungen? Nun, die Inflation fällt nicht einfach so vom Himmel wie seinerzeit die Coca-Cola-Flasche in Jamie Uys’ Film „Die Götter müssen verrückt sein“. Die Gründe sind vielschichtiger Natur und unterschieden sich in der Historie deutlich. Zunächst einmal haben wir aktuell die Problematik der nach wie vor gestörten Lieferketten. Chinas Lockdown im Zuge der Corona-Pandemie erschwert die Lage besonders.

Ein weiterer Faktor ist geopolitischer Natur: Der Krieg in der Ukraine, Sanktionen und Gegensanktionen lassen die Energiepreise explodieren und Weizenernten aus der Ukraine können nicht transportiert werden. All das hat dramatische Auswirkungen auf die Produktionsketten und damit auf das Preisniveau!

Wie geht es nun weiter? Wird die Inflationsrate in absehbarer Zeit auf ein „gesundes“ Niveau zurückkehren? (Wir erinnern uns: Die EZB gibt als Inflationsziel eine Rate von „um die 2 % p. a.“ an.) Eine Prognose ist naturgemäß nicht trivial. Einige Stimmen verweisen darauf, dass es sich aktuell um sogenannte „Einmaleffekte“ handelt: Sobald also die Energiepreise wieder gesunken sind – so die Vorstellung –, wird auch die Inflationsrate zurückgehen.

Lassen Sie mich an dieser Stelle mit einigen Mythen aufräumen, zu denen auch ebendiese Vorstellung gehört, es handele sich nur um Sondereffekte. Hohe Energiepreise, Lieferkettenproblematik – all das werde sich ja hoffentlich in naher Zukunft wieder egalisieren, womit keine Basis mehr für weitere drastische Preissteigerungen bestünde. Leider ist diese Argumentation zu kurz gedacht. Vielmehr ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich um eine sogenannte „Anstoßinflation“ handelt. Sobald Wirtschaftssubjekte das Gefühl haben, die Inflation könnte signifikant lange andauern, ändern sie ihre Erwartungshaltung und es kommt zu fortlaufenden Effekten und somit zu einer Verfestigung der Inflation, beispielsweise durch die Preis-Lohn-Spirale. Nicht ohne Grund wird beispielsweise in wissenschaftlichen Modellierungen der „erwarteten Inflation“ eine hohe Bedeutung beigemessen.

Und was kann die EZB nun dagegen tun? Damit sind wir beim zweiten Mythos: Die EZB könne mit der Zinsschraube direkt die Inflationsrate beeinflussen. In der Vergangenheit hat dies – im Großen und Ganzen – weitestgehend funktioniert. In der aktuellen Phase jedoch entzieht sich die Inflationsrate der Einflussmöglichkeit der EZB. Das ist logisch, denn die wichtigsten Gründe – hohe Energiepreise und Lieferkettenproblematik – kann die EZB (und übrigens auch irgendeine andere Zentralbank) nicht beseitigen.

Sind der EZB damit die Hände gebunden? Nein, nicht ganz. Die EZB muss sich aktuell auf die Stabilität des Euro fokussieren, indem sie die Qualität der Gemeinschaftswährung verteidigt. Damit kann sie ihren Beitrag leisten, um die oben beschriebenen hohen Inflationserwartungen zu dämpfen. Aus diesem Grund setzt die EZB beispielsweise das Anleihenprogramm aus. Das Drehen an der Zinsschraube kann zwar zusätzlich unterstützend wirken; dies alleine wird aber nicht ausreichen und muss aufgrund der aktuellen konjunkturellen Situation in Maßen erfolgen.

Häufig wird in diesem Zusammenhang auch darauf verwiesen, dass Zinsunterschiede in den einzelnen Ländern der EU schädlich seien. Hier muss in aller Deutlichkeit gesagt werden, dass auch dies ein Mythos und damit falsch ist. Warum? Der Zinssatz ist ein Marktkorrektiv. „Schlechte“ Schuldner zahlen einen höheren Zins und entschädigen damit die Gläubiger für eingegangene höhere Risiken. Auch wenn die EZB das manchmal gerne anders darstellt: Zinsunterschiede sind volkswirtschaftlich sinnvoll und das Resultat der Marktkräfte. Eine künstliche Egalisierung führt nur zu Fehlanreizen.

Und was können nun Anleger in der Situation tun? Damit kommen wir zum letzten Mythos: Aktien seien das Nonplusultra im Kampf gegen Inflation. Ein schöner Gedanke, aber leider so nicht ganz richtig. Es kommt vielmehr auf die richtigen Aktien an! Aktien auf Konsumtitel beispielsweise sind aktuell sicherlich kontraproduktiv. Sinnvoller erscheint es, mehr denn je auf Qualität zu setzen. Dazu gehören beispielsweise stabile Dividendentitel. Ebenso ist es ratsam, in der jetzigen Marktsituation insbesondere auf Fonds zu setzen, die einem ausgeprägten Risikomanagement unterliegen.

Dazu haben wir auf unserer TopFonds Liste einige Empfehlungen für Sie:

JPMorgan Inv. Funds – Global Dividend Fund (ISIN: LU0329202252)

MFS Meridian Prudent Capital A1 EUR (ISIN: LU1442549025)

ODDO BHF Exklusiv Polaris Dynamic EUR (ISIN: LU0319577374)

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Über den Autor

Sasa Perovic

Sasa Perovic ist Ansprechpartner für das Investment Research sowie für unsere Produktpartner.
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