Im Gespräch mit Sana Al-Badri, Gründerin der Sagefund Digital Wealth Management GmbH

Robo-Advisor gibt es inzwischen einige auf dem Markt. Das Berliner Startup Sagefund Digital Wealth Management GmbH hat sich diesbezüglich mit seinem Angebot auf jüngere Anleger fokussiert, die kreativ und umweltbewusst sind. Sagefund stellt für diese Zielgruppe eine digitale und intuitive Lösung bereit, wie Unternehmensgründerin Sana Al-Badri im Gespräch berichtet. Ziel ist es, Investmentströme umfassend in Richtung Mainstream zu lenken.

BfV: Hallo Sana, für all diejenigen, die Sagefund noch nicht kennen: Magst Du einen kurzen Überblick über Euer Startup geben?

Sana Al-Badri: Gerne. Marco (Vega), Dzanan (Ganic) und ich haben vor rund zwei Jahren Sagefund mit dem Ziel gegründet, finanzielle Beratung zu digitalisieren und eine massentaugliche Lösung anzubieten. Seit Mai 2021 vermitteln wir als Anlageberater unser erstes nachhaltiges Produkt. Gerade für junge Menschen mit wenig Investmenterfahrung gab es unseres Erachtens noch keine digitale, nutzerfreundliche und nachhaltige Lösung. Mit unserem Sagefund-Investment wollen wir an dieser Stelle punkten und sind zudem sehr zufrieden, dass wir mit der Bank für Vermögen einen erstklassigen Partner gewinnen konnten, der uns mit Support und Haftungsdach vielseitig bei der Umsetzung unterstützt.

BfV: Inwieweit grenzt sich Eure Software von bereits bestehenden Konzepten ab?

Sana Al-Badri: Wir setzen auf eine einfach zu bedienende Softwarelösung, mit der Anleger ihre Finanzen planen, sich finanzielle Ziele setzen und in wesentliche ESG-Finanzprodukte investieren können. Unsere Softwarelösung ist einfach zu verstehen, intuitiv zu bedienen und automatisiert in den Prozessen – somit insbesondere für Einsteiger ein ideales Tool.

BfV: Nachhaltigkeit ist derzeit das Megathema der Branche: Was waren Eure Beweggründe in diesen Markt einzusteigen?

Sana Al-Badri: Ganz ehrlich, für mich ist Nachhaltigkeit kein „Megathema“, dass nur aktuell en vogue ist. Vielmehr ist es doch so, dass der Klimawandel eine existenzielle Bedrohung für die Gesellschaft, die Politik als auch die Wirtschaft darstellt und wir bereits aus diesem Grund gegensteuern bzw. endlich nachhaltiger leben und handeln müssen. Folgerichtig sollten wir auch beim Thema Investment nachhaltiger denken. Noch dazu, da sich nachhaltige Investments und vernünftige Renditen überhaupt nicht ausschließen. Nicht ohne Grund kam das Gros der nachhaltigen Anlagen viel besser durch die Corona-Krise als einige konservative Anlagen.

BfV: Welche Anleger bzw. welchen Kundenbedarf sprecht Ihr an?

Sana Al-Badri: Unser Angebot richtet sich an Investmenteinsteiger. Diese Kunden müssen sich erstmal an die Volatilität von Investmentprodukten gewöhnen. Daher setzen wir auf Anleihen. Diese sind schwankungsärmer, flexibel einsetzbar und verleihen Depots eine entsprechende Stabilität. Kurzum: Sie sorgen für ein schwankungsarmes Portfolio und eignen sich ideal für Investment-Beginner. Zudem legen wir sehr großen Wert auf das Thema Diversifikation, à la Risiko-Paritäten Prinzip – ein Ansatz, den viele Robo-Advice-Anwendungen nicht umfassend berücksichtigen. Beim Thema Nachhaltigkeit investieren wir in die jeweiligen Best-in-Class-ETF-Lösungen, d.h. in die Anlagen, die beste ESG-Werte verzeichnen. Hierbei setzen wir auf Finanzprodukte unter Berücksichtigung strenger Nachhaltigkeitskriterien. So muss ein ETF nicht nur ESG-konform sein, sondern muss auch die SRI-Eigenschaften erfüllen. 41 Prozent des Portfolios fließen somit ausschließlich in Projekte, die den Klimawandel bremsen.

BfV: Welche Methoden nutzt Ihr, um passende Anlagen für Eure Strategie zu finden?

Sana Al-Badri: Wir nutzen meist digitale Tools wie justETF, Trackinginsight und mein Fair Vermögen. Auch die Datenbanken von großen Fondsmanagern wie BlackRock, Lyxor usw.  fließen in unsere Entscheidungen ein. Wir schauen hier auf wichtige Qualitätskriterien, wie u. a. Tracking Error, Preis, Fondsgröße und ESG-Kriterien u. v. m.

BfV: Eure monatlichen Gebühren richten sich nach dem Anlagebetrag. Hierbei unterteilt Ihr drei Preisstufen. Weshalb dieser Unterschied?

Sana Al-Badri: Viele Robo-Advisors haben Pauschalgebühren für alle Kontogrößen. Das ist ein Problem, denn es bedeutet, dass große Konten am Ende sehr hohe Gebühren zahlen! Bei Sagefund wollten wir sicherstellen, dass größere Konten vernünftige Preise haben. So sehr, dass wir für Konten mit einer Anlagesumme von über 100.000 Euro die günstigsten Gebühren auf dem Markt haben!

BfV: Ein kurzes Zwischenfazit bzw. erste Einschätzung: Wie ist Euer Startup bisher im Markt angekommen?

Sana Al-Badri: Es läuft wirklich großartig. Ein Beispiel: Seit dem Start ist unser verwaltendes Vermögen um 50 Prozent pro Monat gewachsen. Der Fortschritt ist viel schneller als wir es erwartet hatten! Und was wirklich aufregend ist: Unsere Kunden kommen aus ganz Europa – wir haben bis jetzt Anleger aus insgesamt zehn verschiedenen Ländern. Von Anfang an war es eines unserer Hauptziele, Investments in Richtung Mainstream zu lenken – und ein ,,Pop“-Robo-Advisor zu sein. Bisher hat sich das bewahrheitet, denn zu unseren Kunden gehören ein berühmter DJ, Projektmanager und UX-Designer – viele von ihnen haben zuvor noch nie investiert.

BfV: Wie sieht Euer Ziel für 2022 aus? Was möchtet Ihr mit Eurer Anlage erreichen?

Sana Al-Badri: Zunächst soll unser Finanzplaner besonders von der jungen Generation gut angenommen werden. Zudem wäre es spitze, wenn wir 1.000 Anleger von unserem Konzept überzeugen könnten, die ohne unsere Lösung niemals investiert hätten. Daneben möchten wir mindestens 10 Millionen Euro von konservativen Sparbüchern und Konten in nachhaltige Geldanlagen fließen lassen. Jeder Euro, der in das Thema Nachhaltigkeit fließt, ist ein kleiner Schritt in eine bessere Zukunft.

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