Die Fonds von H2O Asset Management gingen 2020 durch schweres Fahrwasser, insbesondere die mehrere Wochen andauernde Handelsaussetzung und die Aufteilung der Fonds waren eine Besonderheit am deutschen Fondsmarkt. Wir hatten im Newsletter im Oktober darüber berichtet (HIER zum damaligen Newsletter!).

Am 13.10.2020 wurden die zuvor sieben geschlossenen H2O-Fonds wieder geöffnet – aufgeteilt jeweils in einen liquiden, also jederzeit veräußerbaren, und einen illiquiden Fonds. Alle Investoren hatten seitdem also zwei Wertpapiere pro Fonds in ihren Depots.

Die täglich handelbaren liquiden Fonds konnten seit Oktober einen Teil der in den Vormonaten eingefahrenen Verluste wieder aufholen. Allerdings sind die Fonds – auch unter Einberechnung der illiquiden Fonds – noch einiges von alten Höchstständen entfernt.

 

Wie sieht die Situation bei den illiquiden Fonds aus?

Die abgespaltenen illiquiden Fonds, zu erkennen am Kürzel „SP“ (side-pockets) am Ende des Fondsnamens, werden nicht täglich gepreist und gehandelt. Stattdessen erfolgt eine nur monatliche Berechnung des Anteilspreises. Die Fondsanteile können derzeit nicht veräußerbar, da die enthaltenen Wertpapiere (fast) nicht an gängigen Börsenplätzen bzw. von Handelspartnern gehandelt werden.

Die Side-pocket-Fonds von H2O beinhalten ausschließlich Anleihen, die bekanntermaßen von Unternehmen der Tennor Holding begeben wurden. Wir konnten erfahren, dass die Anleihen neben verschiedenen Emittenten auch unterschiedliche Restlaufzeiten haben. Die am längsten laufenden Anleihen laufen bis ins Jahr 2024, also noch drei Jahre. Das Fondsmanagement möchte allerdings nicht einfach die Anleihen auslaufen lassen und dann bei Zufluss die Gelder an die Anleger auszahlen, sondern schneller alle Anleihen verkaufen. Wir wollten Näheres dazu wissen, nachdem bereits seit Sommer 2019 vergeblich versucht wurde, diese Wertpapiere zu veräußern und es genau deshalb zur Schieflage in den Fonds kam. Wir erhielten die Information, dass nunmehr bis Ende 2021 alle Papiere veräußert werden sollen, wobei wahrscheinlich nicht alle Papiere an einen Investor gehen werden. Auf unsere Frage, ob Anleger dann schon bei Teilverkäufen mit anteiligen Geldflüssen rechnen können, erhielten wir von H2O allerdings keine Antwort.

Die Entwicklung der illiquiden Fonds war recht stabil, wies im Januar allerdings ein Minus auf, das mit der ausgebliebenen Kuponzahlung einer enthaltenen Anleihe begründet wird. Es stellt sich nun die Frage, wie werthaltig die Anleihen sind. Hierauf können wir keine fundierte Antwort geben. Die bisherige Erfolglosigkeit beim angestrebten Verkauf der Wertpapiere, die Informationspolitik seitens H2O und auch der Ausfall einer Kuponzahlung lassen es zumindest fraglich erscheinen, ob die Werte, die hinter den ausgewiesenen Fondsanteilspreisen stehen, beim Verkauf auch wirklich erzielt werden können.

Auch Natixis, die als Miteigentümerin und Fondsgesellschaft mit Boutiquenansatz für den Vertrieb der Produkte verantwortlich war, scheint sich seit letztem Jahr einige Fragen gestellt zu haben. Im November 2020 kündigte die Gesellschaft an, sich von der Beteiligung an H2O trennen zu wollen. Jean Raby, der Chef der Fondssparte der französischen Großbank, bestätigte Anfang des Jahres die Einigung über den Verkauf der 50,1 % Anteile an das H2O-Fondsmanagement um Bruno Crastes.

Über den Autor

MARC HAEGERT

Marc Haegert fungiert als Ansprechpartner für das Investment Research sowie für unsere Produktpartner. Er verantwortet im Rahmen der Vermögensverwaltung das Fondsresearch und die Strategien der Vermögensverwaltung und steht Advisorn und Vermittlern bei Fragen zu PRIVATE INVESTING Strategien zur Verfügung. Der Diplom-Kaufmann sammelte jahrelange Erfahrung als Endkundenberater mit eigenen Musterportfolios und Empfehlungslisten mit breitem Zugang zu Produktanbietern.

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